Nach langer Schreibpause ein Blogeintrag zu einem Thema, was mich seit Jahren beschäftigt. Ich weiß nicht, ob es viele Leute da draußen interessiert, aber sollte es so sein, dann sagt mir bitte Bescheid dann schreib ich noch viel mehr dazu :)
Für mich haben (realistische und naturalistische) Malerei und Physik viele Gemeinsamkeiten. Beides sind Wissenschaften oder Künste, die darauf abzielen, die Realität als Modell darzustellen: Modelle in der Kunst sind Bilder - Modelle in der Physik Formeln und Theorien.
Das hier ist ein Bild das ich gerade zeichne. Nur ein Teil davon der Rest ist nämlich nicht fertig.
Da ich versuche Bilder möglichst naturalistisch/realistisch zu zeichnen, achte ich recht penibel auf Licht, Schatten und neuerdings auch Reflexionen. Dieses Bild stellt eine extreme Herausforderung dar. Zwei junge Männer stehen in einem kleineren Fluss und bewegen sich. Klingt auf den ersten Blick einfach, doch schaut mal was da für Ideen und Phänomene hinter stecken!
1. Nasse Hose
Der Stoff verschluckt plötzlich Licht und erscheint dunkler. Die Jeans die ich gezeichnet habe ist in Natura recht hell. Um es nass erscheinen zu lassen mische ich Grautöne hinzu (die Farben sind weniger gesättigt). Hinzu kommt noch, dass der Stoff erfahrungsgemäß am Körper klebt und dass vollgesongene Kleidung deutlich mehr wiegt. Daraus folgt ein anderer Faltenwurf.
2. Spritzer
Wenn man sich schnell im Wasser bhewegt kann es passieren dass das Wasser nach oben spritzt. Kai zieht seine Beine nach links, es entsteht eine Gegenkraft nach rechts. Das Wasser formt sich zu kleinen schnell bewegten Tropfen, die wir als Spritzer wahrnehmen. Sie erscheinen weiß, weil sich die Reflexion in jedem einzelnen Wassertropfen jede Millisekunde ändert. Für uns erscheint das ganze dann diffus.
3. Brechung
Man sieht die Hälfte der Beine nicht. Da der Betrachter sich aber im Medium Luft befindet und durch das Medium Wasser schaut, haben wir es auch noch mit Brechung zu tun! Den Rest der Beine sieht man also verschoben und vergrößert.
4. Wellen und Interferenz
Die Strömung des Flusses ist nicht stark genug um sichtbar zu sein. Da sich beide Personen aber bewegen, entstehen (mehr oder minder) kreisrunde 2D-Wellen. Diese interferieren auch! Die Interferenz zu zeichnen ist digital ein ziemlich heikler Spaß...
5. Nass und Trocken
Die andere Person ist vorher nicht ins Wasser gefallen. Ich bediene mich erneut von Phänomen 1 und zeichne nur das dunkler was auch wirklich nass ist.
6. Reflexion und Transparenz
Das Spiegelbild des Walder erscheint im Fluss. Überall wo kein Licht hinkommt, scheint der Boden des FLusses durch und dieser ist eher dunkelgrün oder braun.
7. Reflexion
Als ich Abends mit dem Bus nach Hause fuhr, stellte ich fest, dass die Reflexion nur dann sichtbar ist wenn auch Licht da ist. Hellere Töne sind in reflektierenden und durchschneidenen Medien besser zu erkennen als dunklere Töne. Daher wird die hellere Hose deutlich sichtbarer reflektiert als die dunklere.